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So erzielen Ärztinnen ein höheres Gehalt

In Punkto Gehalt, nehmen Ärztinnen und Ärzte seit Jahren Spitzenpositionen ein. Aber auch wenn der Verdienst vergleichsweise hoch ist, verdienen Medizinerinnen bei gleicher Qualifikation bedeutend weniger als ihre männlichen Kollegen.

Woran liegt das und was können Ärztinnen tun, um diesen Zustand zu ändern? Darüber haben wir mit Business- & Life-Coach Marion Lange gesprochen.

Dass Frauen meist nicht so gut verdienen wie Männer, liegt in Deutschland unter anderem daran, dass sie Berufe wählen, die generell schlechter bezahlt werden. Das trifft auf Ärztinnen nicht zu. Warum erhalten viele trotzdem weniger Gehalt als ihre Kollegen?

Marion Lange: Ich denke, es gibt verschiedene Aspekte, die dafür verantwortlich sind. Zum einen kämpfen wir Frauen noch immer mit unserem historischen Erbe: Staat und Gesellschaft präferierten lange das Alleinverdiener-Modell, was sich selbst heute noch beim Ehegattensplitting zeigt. Ein weiterer Aspekt für den so genannten Gender Pay Gap sind stereotype Rollenbilder der Vorgesetzten, die meist der älteren Generation angehören und Frauen oftmals als Mütter sehen, die im Beruf ausfallen können. Haben Ärztinnen junge Vorgesetzte, kann dahinter manchmal stecken, dass diese strenge Budgetvorgaben einhalten müssen und dazu neigen, beim Gehalt der Mitarbeiterinnen Abstriche zu machen.

Neben diesen strukturellen Ursachen liegt ein Teil des Problems auch bei den Ärztinnen selbst. Sie sind oftmals bescheidener und harmoniebedürftiger als ihre männlichen Kollegen und verhandeln dadurch schlechter. Auch der Stellenwert der Frau in der eigenen Herkunftsfamilie und was Mutter und Großmütter verdient haben, spielen eine Rolle. 

Ganz konkret haben Sie gerade eine Oberärztin bei sich in der Beratung, also eine Medizinerin, die eigentlich bereits eine sehr gute Karrierestufe erreicht hat.  In welcher Situation befindet sich Ihre  Coachee und warum hat sie sich Ihre Unterstützung gesucht?

Marion Lange: Die Oberärztin mit der Fachrichtung HNO ist Ende 30 und arbeitet seit fünf Jahren in einer größeren Klinik. Neben ihr gibt es einen weiteren Oberarzt, der kurz vor dem Ruhestand steht. Sie erledigt nicht nur die gleiche Arbeit wie dieser, sondern hat sogar noch eine Zusatz-Weiterbildung im Bereich Schlafmedizin und ist verantwortlich für das Schlaflabor. Dennoch hat sie weder den Rang noch das Gehalt ihres Kollegen. Um ihr Problem zu lösen, hat sie sich jetzt auf seine Stelle beworben, die nachbesetzt werden soll. Ihr Chef möchte diese aber lieber einem Mann geben und hat ihr als Feedback gegeben, sie bräuchte sieben Jahre, damit ihr Gehaltswunsch angemessen wäre. Meine Coachee ist dementsprechend enttäuscht und hat sich jetzt Unterstützung gesucht, da sie alleine nicht weiterkommt.

Warum denken Sie, ist Ihre Coachee in diese Situation gekommen? Sind es einfach nur zufällige äußere Umstände oder tragen auch andere Faktoren dazu bei?

Marion Lange: Es gibt diese tatsächlich vorhandene schwierige Situation, aber gleichzeitig ist wichtig, wie meine Coachee damit umgegangen ist. Sie war immer sehr zurückhaltend und hat vieles mit sich machen lassen. Die Ursache dahinter ist: Oft wollen wir Frauen zwar, dass andere unseren Wert erkennen und bezahlen, aber das funktioniert nicht, wenn wir uns selbst nicht wertschätzen. Denn dann strahlen wir diese innere Haltung nach außen aus, da liegt der Hase im Pfeffer.

Marion Lange

Über Marion Lange

Marion Lange begleitet seit 30 Jahren Führungskräfte in Unternehmen als Business-Coach und Organisationsentwicklerin. Nach einem Burn-Out vor 10 Jahren fand sie zu ihrer eigentlichen Berufung, gründete Wunderweib Coaching und unterstützt seitdem schwerpunktmäßig Frauen auf ihrem Weg in ein ganzheitlich erfülltes Leben.

An welchen Stellschrauben arbeiten Sie mit der Ärztin, damit diese in eine bessere Situation kommt?

Marion Lange: Die allererste Frage, die ich ihr stellte, war: „Wenn wir Probleme und Herausforderungen als Lernfelder betrachten könnten, was würde diese Situation für Sie bedeuten?“ Die Antwort meiner Coachee kam wie aus der Pistole geschossen: „Ich muss an meiner Selbstsicherheit und meinem Mut arbeiten“. Das haben wir dann gemeinsam gemacht.

Zudem beschäftigten wir uns mit der optimalen Gesprächsführung und der richtigen Vorbereitung auf die Gehaltsverhandlung. So ist es zum Beispiel hilfreich, ein Minimal- und Maximalziel für sich zu definieren und dann daran festzuhalten. Außerdem wird das bevorstehende Gespräch leichter, wenn man es in gewisser Weise sportlich nimmt und die Situation als Training für die eigenen Lernfelder sieht.

Ganz wichtig ist auch, dass sie ohne negative Gefühle in das Gespräch geht, damit sie sachlich argumentieren kann. Wenn sie darauf pocht, dass sie sich unfair behandelt fühlt und in Rechtfertigung verfällt, wird sie keine Chance haben etwas zu verändern, weil der andere dann auf Konfrontation geht.

Kommen wir vom Praxisbeispiel noch einmal zum „Big Picture“: Was können Ärztinnen tun, die mit Ihrer Karriere unzufrieden sind? Welche Möglichkeiten haben sie, wenn aktuell gar keine Gehaltsverhandlung ansteht?

Marion Lange: Zuerst sollten Ärztinnen Selbstreflexion betreiben und sich fragen, wo ihre Stärken liegen, was sie alles leisten und wohin sie sich entwickeln wollen. Wenn sie darin ungeübt oder unsicher sind, ist auch Unterstützung von außen hilfreich. Im nächsten Schritt können sie bei ihren Vorgesetzten ganz einfach ein Feedbackgespräch einfordern. Das ist vielen unangenehm und wird daher viel zu selten gemacht. Wenn es in diesem Feedbackgespräch positive Rückmeldungen zu der eigenen Arbeit und keine oder wenige Kritikpunkte gibt, schafft das eine gute Grundlage für ein zukünftiges Gehaltsgespräch.

Marion Lange

Wer mutig ist, kann auch ganz direkt fragen: „Was muss ich tun, um karrieretechnisch die nächste Stufe zu erklimmen und mehr Gehalt zu bekommen?“ Damit übernimmt man Verantwortung für seine Situation und agiert proaktiv, statt nur zu reagieren.

Marion Lange

Umgekehrt: Wie können sich Ärztinnen vorbereiten, wenn es bereits einen festen Termin für die Gehaltsverhandlung gibt?

Marion Lange: Zuerst geht es darum, sich Klarheit zu verschaffen. Was will ich –  und warum habe ich es verdient, das auch zu bekommen? Die Ziele und die Argumente, die dafür sprechen, sollten Ärztinnen unbedingt stichpunktartig festhalten. Denn wenn etwas schriftlich fixiert ist, hat dies eine ganz andere Wertigkeit und wird besser verinnerlicht. Außerdem ist es durchaus in Ordnung, diese Stichpunkte mit in die Gehaltsverhandlung zu nehmen. Darüber hinaus hilft mentale Vorbereitung. Lassen Sie das bevorstehende Gespräch mehrmals wie einen Film vor Ihrem geistigen Auge ablaufen. Genau wie Sportler, die sich einen bestimmten Bewegungsablauf immer wieder vorstellen. Ganz wichtig dabei: Stellen Sie sich keine Horrorszenarien vor. Sich etwas negativ vorzustellen, funktioniert nämlich oft sehr einfach. Das kann dann aber zu der berühmten sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Sich den Ablauf des Gespräches positiv auszumalen, ist schwieriger, aber lohnend.

Und irgendwann sitzen Ärztinnen in der Gehaltsverhandlung. Haben Sie Tipps für die konkrete Situation?

Marion Lange: Bringen Sie Ihre Argumente, warum sie mehr Gehalt wollen, selbstbewusst vor. Dabei ist es wichtig, sich nicht mit anderen zu vergleichen, sondern bei sich und seinen Leistungen zu bleiben. Die anderen haben vielleicht einfach mehr Gehalt, weil sie besser verhandelt haben, Punkt. Da kann man sich nicht darauf beziehen. Besser ist es, Vergleiche zu sich selbst zu ziehen: Was mache ich besser als vor einem Jahr? Im Fall der Oberärztin aus meinem Coaching war dies zum Beispiel die Zusatzqualifikation für das Schlaflabor.   

Können Sie Ärztinnen sonst noch etwas mitgeben?

Marion Lange: Frauen sind oft liebende Mütter, perfekte Ehefrauen, engagierte Kolleginnen und gute Ärztinnen, das heißt, sie versuchen ihre ganze Umgebung glücklich und zufrieden zu machen. Ich rate Ihnen, die eigenen Bedürfnisse stärker zu beachten, auch gut für sich selber zu sorgen und einen höheren Anspruch an die eigene Lebensqualität zu haben. Denn Gehalt alleine ist nicht ausschlaggebend. Es geht auch darum, mit Freude zur Arbeit zu gehen. Schließlich ist Zeit für uns alle auf diesem Planeten endlich. Oder um es mit einem Zitat zu sagen: „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.“

Ein höheres Gehalt? 5 Tipps auf einen Blick

Bildquelle: © Marion Lange

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Eva Hoppmann

Eva Hoppmann

berichtet für Arzt im Beruf über Wissenswertes rund um Karriere, Praxismanagement und Work-Life-Balance.

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