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10 Tipps: Wie Ärzte aus Behandlungsfehlern lernen

Ärztinnen und Ärzte haben einen hohen Anspruch an das eigene Handeln. Wenn trotz bestem Wissen und Gewissen Behandlungsfehler passieren, geraten sie oft in eine Negativspirale. Patientensicherheitsforscher Prof. Dr. Reinhard Strametz erklärt, was Ärztinnen und Ärzte dagegen tun können und wie sie sich gegenseitig helfen können.

Dieser Beitrag basiert auf dem Vortrag „Second Victim – bin ich eins?“ von Prof. Dr. Reinhard Strametz auf dem 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) am 02.05.2022.

Behandlungsfehler können Ärzte in die Krise stürzen

Wenn ein Fehler passiert, kann das für Patientinnen und Patienten lebensgefährlich sein. Hinzu kommt: Fehlentscheidungen können auch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte selbst in eine Krise stürzen. Bis zu zwei Drittel aller Betroffenen verarbeiten einen Behandlungsfehler dysfunktional.

Folgen können sein: fehlendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Schlafstörungen, Schuldgefühle, Isolation und Depression, Wiedererleben („Flashbacks“) der Situation oder Medikamenten- und/oder Alkoholkonsum. All diese Auswirkungen können die Leistungsfähigkeit vermindern und die Fehleranfälligkeit erhöhen, was sich negativ auf die Patientenversorgung auswirkt.

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Aus Fehlern lernen – auch eine Team-Aufgabe

Wichtig ist laut Strametz, dass Ärztinnen und Ärzte nach einem solchen Ereignis gut aufgefangen werden. Er gibt 10 evidenzbasierte Handlungsempfehlungen, um Effekte von Traumatisierungen zu vermindern.

So helfen Sie betroffenen Kolleginnen und Kollegen:

1

Kurze Auszeit von der Tätigkeit anbieten, auch bei Personalknappheit (ein dauerhafter Ausfall wäre die schlechtere Lösung)

2

Aktives kollegiales Gesprächsangebot, nicht nur bei Behandlungsfehlern oder in kritischen Situationen, sondern in regelmäßigen Abständen

3

Routinehafte kurze, aber effektive Nachbesprechung belastender Situationen

4

Einfühlsame, aber eindeutige und klare Sprache

5

Grundsätzliche Bestätigung fachlicher Kompetenz und Bestärkung des Selbstwertgefühls

6

Emotionen und Ängste zulassen

7

Fachliche Unterstützung und Rückversicherung im klinischen Arbeiten anbieten

8

Bei Fehlern Beteiligten eine Rolle bei der Fehleranalyse geben; über Ergebnisse informieren

9

Aufmerksame Beobachtung, um Isolierung und Rückzug frühzeitig zu erkennen

10

Vermeiden und Ächtung von Lästereien, Mobbing, Schuldzuweisung und Herabwürdigungen (um Hilfe zu bitten ist kein Zeichen von Schwäche, sondern menschlich und verantwortungsbewusst gegenüber eigenen Patientinnen und Patienten).

Resilienz der Betroffenen nach Behandlungsfehlern stärken

Bei medizinischen Fehlentscheidungen – und insbesondere bei jungen Ärztinnen und Ärzten, die noch wenig Erfahrung haben und die eine Fehlentscheidung besonders intensiv als Rückschlag erleben können – sind helfende Hände aus dem Kollegium und von Vorgesetzten gefragt. Wenn nicht die Suche des Schuldigen im Vordergrund steht, sondern das gemeinsame Lernen aus Fehlern, können Ärztinnen und Ärzte gestärkt aus dem Ereignis hervorgehen. Und die gemeinsame Analyse des Fehlers dient letztlich wieder der Patientensicherheit: Denn durch das geteilte Wissen werden die Kolleginnen und Kollegen sensibilisiert. So kann vermieden werden, dass derselbe Behandlungsfehler in Zukunft noch einmal geschieht.

Wer vor Ort keine Hilfe erhält und sich allein gelassen fühlt, kann sich an anderer Stelle Unterstützung suchen: Der gemeinnützige Verein PSU Akut bietet Ärztinnen und Ärzten eine telefonische Beratung bei besonderen Belastungssituationen.

Wie ist es um Ihre Resilienz bestellt?

Im Klinik- und Praxisalltag stoßen Ärztinnen und Ärzte regelmäßig an ihre Grenzen. Es gehört also zur (fast) täglichen Aufgabe, die eigene Resilienz – also psychische Widerstandskraft – zu stärken. Das weiß auch Dr. Sophie Schlosser, Oberärztin am Uniklinikum Regensburg aus eigener Erfahrung. Auf dem DGIM-Kongress gab sie konkrete Tipps zur Stärkung der eigenen Resilienz. Jetzt kostenlos bei coliquio registrieren und weiterlesen.

Quelle: Prof. Dr. Reinhard Strametz: „Bin ich ein Second Victim?“, Vortrag auf dem 128. DGIM-Kongress in Wiesbaden, 02.05.2022

Bildquelle: © Dreamstime.com/Sarinya Pinngam

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Nathalie Haidlauf

Nathalie Haidlauf

liefert Ärztinnen und Ärzten auf dem Blog hilfreiches Wissen für den herausfordernden Berufsalltag.

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